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1-Minuten-Videos: Appetithäppchen

22. September 2017 | Instagram, Video

1-Minuten-Videos erreichen mehr Zuschauer und sind, wenn man sie dauerhaft einsetzt, sinnvoll für Blog und Unternehmens-Webseite.

1-Minuten-Videos erreichen mehr Zuschauer und sind, wenn man sie dauerhaft einsetzt, sinnvoll für Blog und Unternehmens-Webseite.

Appetithäppchen kann ich nicht widerstehen – weder beim Essen, noch bei Videos. Schon die Anzeige der Laufzeit signalisiert mir: Das ist keine Ablenkung, keine Zeitverschwendung. Ich muss als Zuschauer auch nicht rasch entscheiden, ob ich mir das bis zum Ende ansehe. Bei 1-Minuten-Videos ist eh gleich alles rum.

Wer jetzt befürchtet, dass seine sorgsam geplanten, aufwändig inszenierten an mehreren Tagen gedrehten und bearbeiteten Videos quasi verschleudert werden: Gemach. Natürlich soll man „sein” fertiges Videos zeigen, wo immer und wie oft es geht. Aber bekomme ich damit auch die Aufmerksamkeit auf Facebook, Instagram & Co.? Auf Youtube sind die Besucher drauf eingestellt, sich jetzt ein Video anzusehen und nehmen sich etwas mehr Zeit. In den Sozialen Netzwerken herrscht ein eher flüchtiges „Wischen und Scrollen”. Da passen 1-Minuten-Videos besser.

Natürlich kann man ich 10-Minüter auf Facebook platzieren. Wesentlich mehr Resonanz bekomme ich aber mit den ganz kurzen Videos. Damit ist noch lange nicht sicher, dass sich Besucher auch meine Lang-Version ansehen. Aber in aller Regel liegen die Zahlen der Besucher, die sich die kurzen Videos ansehen so deutlich über denen bei Youtube und auf der Webseite, dass ich dieses Potenzial nicht verschenken will.

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Gute Idee: Gleich beim Dreh ein paar Szenen zusätzlich für diesen Zweck aufnehmen

Crux der 1-Minuten-Videos

Die Crux ist, dass ich wählen muss: Es stehen Aussage und Qualität gegen Reichweite. Am Ende haben vielleicht auch nicht wesentlich mehr Menschen mein „ganzes” Video in voller Länge gesehen. Aber ich habe – mit weniger Inhalt – mehr Menschen erreicht. Die alte Werbe-Regel, dass man ein Angebot sieben Mal gesehen haben muss, bevor man einmal darauf reagiert, gilt ja – zumindest gefühlt – für fast alles, auch im Internet.

Längerfristig kann die Methode der 1-Minuten-Videos als Appetithäppchen also durchaus nachhaltiger sein, als das Drei-Gang-Menü (oder das 10minütige Video). Und wenn das Video nicht nur eine einmalige Sache war, sondern zu meinem Konzept fürs Blog oder die Unternehmens-Webseite gehört, dann sollte ich die besten Verwertungs-Möglichkeiten suchen, die ich kriegen kann.

Viedos sind durch Aufnahmen und Schnitt sehr viel zeitaufwändiger als Fotos. Bis ich schließlich einen Haken unter eine Produktion machen kann, atmet ich auf und will das gute Stück unter die Leute bringen. Natürlich hoffen viele Video-Filmer auf Resonanz und Kritik, die Auseinandersetzung mit den Zuschauern. Die ist bei den kleinen Appetithäppchen eher gering ausgeprägt. Aber wer die Aufmerksamkeit seiner Follower und Besucher einmal gewonnen hat, hat es auch mit späteren Angeboten immer leichter.

Der Mehraufwand für die kurzen optischen Anreißer ist gar nicht so groß. Ich komme meist in wenigen Schritten zu den passenden 1-Minuten-Videos.

Das große komprimierte Ganze

Voraussetzung ist natürlich, dass das Video fertig bearbeitet ist. Denn dann kenne ich alle Inhalte und weiß, welches die Kernaussagen sind. Und ich weiß, welches die „stärksten” Clips. Das sind die, die mir rein optisch am besten gefallen, oder die vielleicht sonst aus dem Rahmen fallen. Oder es sind gerade bei Interviews diejenigen, bei denen zu stimmungsvollen Bildern auch prägnante Aussagen kommen.

In der fertigen Aneinanderreihung von Szenen sehe ich schnell den Höhepunkt einer Geschichte, meistens irgendwo im mittleren Bereich. Das finden sich oft auch Aussagen, die man alleine stehen lassen kann. Dann filetier ich quasi noch eine gute Einstiegssequenz heraus und einen guten Aussteig. Die Problematik ist weniger die Arbeit, als das in stundenlanger Arbeit entwickelte Gefühl, welche wichtigen Aussagen alle rein müssen in das Video. Wie bei guten fertigen texten schmerzt das Rausschneiden.

Die Schwerpunkt-Variante

Bei der oben beschriebenen Fassung bleibt im wesentlichen der Erzählfluss – wenn auch arg reduziert – erhalten. Es geht aber noch knackiger, pointierter. Dazu stelle ich ohne Rücksicht auf Verluste die wichtigsten Aussage oder die knackigste Szene an den Anfang. Diesen Teil kann ich dann auch größer gewichten, denn danach finden allenfalls noch Ambient-Szenen und Ausstieg statt. Niemand will in einem Ein-Minüter jemanden eine Minute lang reden hören. Weniger ist mehr und weckt mehr Interesse, finde ich.

Geht auch Eins plus Drei?

In seltenen Fällen bietet es sich auch an, aus einem längeren Dreh gleich mehrere kurze Videos zu machen. Dann wird die Arbeit freilich gleich viel aufwändiger. Drei Kernaussagen lassen sich ja oft noch finden, auch in kürzeren Videos. Aber für drei Varianten sucht man auch B-Roll-Material, Umgebungsszenen und Details für Ein- und Ausstieg in drei Varianten. Da wirds eher knifflig.

Die Formate

Der Rest lässt sich leicht vorbereiten und wiederverwerten. Ein einminütiges Videos lässt sich auch in Full-HD (1920 x 1080) schnell exportieren und hochladen. Für die Instagram-Variante im Feed bietet sich eine quadratisches Format an (1000 x 1000). Und Instagram Stories verlangen in der Regel ein Stückelung in 15-Sekunden-Blöcke und ein besonderes Forma (1920 x 1080).

Wer nicht von vorneherein auch mit dem Smartphone Hochformat-Aufnahmen gefertigt hat, muss beim Vergrößern Qualitätsverluste hinnehmen. Oder arbeitet schon in der Timeline mit der 4K-Auflösung seiner großen Kamera, was aber wieder einige Nachteile hat. Ich akzeptiere eher die Qualitätsverluste, als bei den Video-Aufnahmen noch parallel Handy-Aufnahmen zu machen.

 

Joachim Ott

Journalist & Fotograf

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